Die TaKeTiNa Elemente

Der Surdo -

Die tragende Kraft von Puls und Beat

 

Ähnlich wie der Herzschlag für den Menschen ist die grosse Basstrommel der brasilianischen Samba, der Surdo, die tragende Kraft des TaKeTiNa-Kreises. Sein Klang macht den ansonsten stillen Puls des Rhythmus als Grundpulsation hörbar. Während alle anderen Rhythmen variieren können, bleibt das Spiel des Surdo von Anfang bis Ende unverändert. Wie in der Samba konfrontiert die Melodie des Surdo unser gewohntes rhythmisches Empfinden und lässt den ersten Schlag des Rhythmus unbetont.

Der Berimbau -
Drive im rhythmischen Feld

Der brasilianische Musikbogen Berimbau, gespielt vom Leiter der Gruppe, sorgt für Spannung, rhythmische Herausforderung und die musikalische Evolution. Der Berimbauspieler ist der Tribal Chief, der sowohl zum Vertrauen in den Groove einlädt, den nötigen rhythmischen Schwung holt als auch für die Herausforderung durch eine ständige Variation sorgt. Vom Beginn der Call und Response-Gesänge bis zum Ausklang einer TaKeTiNa-Session stützt der Grundton des Berimbau den Chor der Gruppe und seine perkussiven Sounds bilden den "Motor" der Feinstruktur des Rhythmus.

Der Grundschritt -

Vertrauen ins Getragen-Sein

Die TaKeTiNa-Grundschritte sind entweder pulsierende oder komplexere tänzerische Bewegungen; sie stehen immer in direkter Verbindung zum Rhythmus des Surdo. Diese rhythmische Bewegung wird wie das Gehen früher oder später "wie von selbst" passieren. Wenn wir einmal gehen gelernt haben, wird es mit zunehmender Erfahrung zur autonomen Bewegung.

Diese "Wurzeln" des Rhythmus bleiben stets einfach und leicht nachvollziehbar für Körper und Verstand, auch wenn es auf den anderen rhythmischen Ebenen komplexer wird. Dennoch ist das Herausfallen aus dem Grundschritt die beste Gelegenheit zu lernen: gerade wenn die Basis erschüttert wird, der Rhythmus im Kollektiv aber weitergeht, kann Vertrauen entstehen und jeder kann jederzeit wieder in den Rhythmus einsteigen. Durch Vertrauen ins Getragen-Sein im Rhythmus wächst das Grundvertrauen in das Leben.

Das Klatschen -
die rhythmische Herausforderung

In vielen Kulturen ist das in-die-Hände-klatschen eine musikalische Ausdrucksform, in der indischen Musik dient es der rhythmischen Übersicht in komplexen musikalischen Zyklen, im Flamenco ist es sogar eigene Kunstform. Im allgemeinen entspricht die Ebene der Hände im Leben der Ebene unseres bewussten Handelns. Hier drücken sich Willen, bewusstes Gestalten, oft auch Haben-Wollen aus. Das Klatschen ist im TaKeTiNa der zweite, neu hinzukommende rhythmische Input nach den Schritten, die mehr und mehr ins Unbewusste sinken können. So kann jeder, wenn er bereit ist, in den Zustand der gleichzeitigen Wahrnehmung eintreten.

Die Klatschrhythmen befinden sich meist in einem polyrhythmischen Verhältnis zu den Schritten und konfrontieren diese nachhaltig. Gestützt wird die Klatschebene jedoch stets durch die rhythmische Stimme mit den entsprechenden Gesängen (calls).

Die rhythmische Stimme -
lernen mit dem rhythmischen Mantra

Die Sprechstimme ist in unserer westlichen Zivilisation der Sitz des gesprochenen Wortes mit Sinn und Bedeutung. Wir wiederholen uns eigentlich nicht gern, wenn wir verstanden werden wollen. Die Wiederholung gesprochener Wortes ohne Sinn hingegen hat in vielen alten Kulturen eine andere Bedeutung: Mantras dienen der geistigen Vertiefung, der Kontemplation, der Meditation, sie erzeugen Leere und helfen so dem Geist, in einen Zustand der Stille zu kommen.

Diese Stille schafft Raum für eine andere Art des Lernens und Verstehens: durch das Wiederholen der Rhythmus-Mantras wird die Stimme zur Brücke zwischen Hören und Bewegen.

DIe Gesangsstimme -
die Entfaltung im Call & Response

Im ständigen Wechsel der Frage und Antwort- Gesänge im TaKeTiNa-Prozeß gelangt die Stimme in die Freiheit musikalischer Gestaltung. Die Gesangsstimme verlässt die rhythmische Matrix mehr und mehr, ohne jedoch den klaren Bezug zum Grundrhythmus zu verlieren.

Der Gesang kehrt immer wieder stabilisierend zur Gruppe zurück, auch wenn er zuvor gründlich an deren Basis "gerüttelt" hat. Das Wechselspiel zwischen Stabilisieren und Konfrontrieren ermöglicht dem Rhythmus, sich mehr und mehr zu etablieren, das gesamte Kollektiv - Leiter, Surdospieler und Gruppe - kann in Trance gehen und tief in den Rhythmus einsinken.

DIe Magie der Rassel

Die Rassel ist eines der ältesten und zugleich einfachsten Musikinstrumente der Welt. Ihr Klang entsteht aus einer einfachen rhythmischen Bewegung, dem Schütteln. Je strukturierter die Schüttelbewegung, desto komplexer kann der entstehende Rhythmus werden. Die Rassel übersetzt so Bewegungen des Körpers in Klang. Im TaKeTiNa-Prozeß kommt meist die kleine brasilianische Rassel Caxixi (sprich: "kaschischi") zum Einsatz.

"Ein Rasselrhythmus verbindet die schnellen Bewegungen eines Rhythmus mit den darunterliegenden langsameren von Zyklus und Grundpuls. (...) Wenn man es schüttelt, entsteht durch das Caxixi eine Verbindung aus durchgehendem Groove und rhythmischen Akzenten. Der Klang des Caxixi führt die rhythmischen Ebenen von Schritten und Stimme zusammen und verwandelt den Körper in ein polyrhythmisches Orchester." (Reinhard Flatischler)

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